Wenn man von „Schwizerdeutsch“ spricht meint man die verschiedenen alemannischen Dialekte, welche in der Schweiz gesprochen werden. Es gibt nicht DAS Schwizerdeutsch, sondern jede Region pflegt ihren persönlichen Sprachstil.

Als wir 2009 in den Aargau kamen wusste ich weder welchen Dialekt man hier spricht, noch das man überhaupt anders in der Schweiz spricht als in Deutschland. Peinlich aber wahr. Anfang 2009 wohnten wir noch in Italien und unsere Freunde waren sehr froh für mich, das wir in die Schweiz umziehen wollte. „Das wird toll für dich. Endlich bist du wieder dort, wo man deine Sprache spricht.“ In die Schweiz zu gehen war keine bewusste Entscheidung, sondern hat sich fast zufällig ergeben. Mein Mann hatte eine Jobangebot angenommen und los ging`s. Ich war damals hochschwanger  und machte mir ausschliesslich Gedanken um mein neues Leben als Mama.

Die erste Woche sind mir die sprachlichen Unterschiede nicht mal gross aufgefallen, denn alle wechselten automatisch auf Hochdeutsch, wenn ich etwas fragte. Zugegebener massen beschränken sich unsere Kontakte auf Hotelpersonal (wir hatten noch keine Wohnung) und Immobilienmarkler.

Sobald das wahre Leben jedoch begann, begannen auch die Komplikationen. Ich verstand kein Schwizerdeutsch und manche Leute verstanden mich auch nicht. Im Kaufhaus fragte ich nach „Schnur“ und wurde in die Schuhabteilung geschickt. Im Bus fragte ich nach meiner Haltestelle, doch der Buschauffeur verstand meine hochdeutsche Aussprache nicht und schüttelte den Kopf. Als ich mich bei einer Nachbarin nach dem Waschplan erkundigte fragte sie mich woher ich denn käme: „Sie sprechen so komisch Deutsch. Woher kommen Sie denn?“

Jetzt war ich deutlich frustriert. Auch wenn ich fast 30 Jahre problemlos verstanden wurde, damit war jetzt Schluss. Mir wurde klar, dass ich jetzt ein Ausländer war und mich anpassen musste.

Zwischen Windeln wechseln, Stillen und schlaflosen Nächten versuchte ich mit Büchern oder Fernsehen mein Schwizerdütsch zu verbessern. Kurse fand ich zu dieser Zeit nicht. Etwas geholfen hat schliesslich der Besuch einer Krabbelgruppe mit schweizer Mamas, die sich Zeit nahmen um immer ein bisschen Hochdeutsch mit Schwizerdütsch zu kombinieren und vieles 3x sagten. Richtig sicher fühlte ich mich aber erst 2 Jahre später. Zu dieser Zeit besuchte ich eine Weiterbildung. Dort war ich die Einzige Deutsche und obwohl die Dozenten höflich fragten ob für alle Schwyzerdütsch in Ordnung sei, traute ich mich nicht um Hochdeutsch zu bitten. Das war rückblickend auch gut so. Das war zwar ein Sprung ins kalte Wasser, aber es war wirkungsvoll.

Mittlerweile hab ich Schwizerdütsch mega gern und finde Hochdeutsch gewöhnungsbedürftig, wenn ich Deutschland besuche. Und Sie? Sprechen Sie schon oder üben Sie noch? Ich empfehle jedem Zugewanderten sich für Schwizerdütsch zu begeistern.  Wahrscheinlich kann man es nie perfekt lernen. Egal. Verstehen ist das Wichtigste am Anfang und dann öffnen sich auch automatisch die Lüt einem gegenüber. Sprache, bin ich überzeugt, ist der Schlüssel zu Integration und zum „daheim“ Fühlen.